Am
7. Januar 1985 übernimmt Ingolf Lück von Peter Illmann nach einer
gemeinsamen Sendung am 28. Dezember 1984 "Formel Eins", die erfolgreiche
Musikvideo-Sendung der ARD - ein Meilenstein für Ingolf. Entdeckt worden
war er im Frühjahr 1984, als er mit seinem Rocktheater "Das totale
Theater" im "Sprungbrett"-Varieté des Kölner
WDR auftrat. Mit der im Oktober 1983 ins Leben gerufenen Show suchte die
damalige WDR-Redakteurin Ingrid Jehn in der deutschen Kleinkunstszene Show-
und Moderationsnachwuchs für das Fernsehen. Teile des "Sprungbrett"-Programms
wurden wöchentlich im WDR-Vorabendprogramm des Ersten Programms gesendet.
Das war in der damals verkrusteten TV-Landschaft eine einzigartige Möglichkeit
für junge Talente, den Sprung ins Fernsehen zu schaffen. Nachdem "Das
totale Theater" überwältigend gut angekommen war, war Ingolf
auch als Moderator der nächsten "Sprungbrett"-Show engagiert
worden. Das Band mit seiner Moderation war dem WDR-Musikredakteur Wolfgang Neumann in die Hände gefallen, der händeringend einen neuen Moderator für "Formel Eins", die beliebteste Musiksendung Deutschlands suchte. Die Casting-Nummer 13 hatte Ingolf Glück gebracht: Es geht die Mär, dass er die "Formel Eins"-Macher schon bei den ersten Probeaufnahmen zum Lachen gebracht hatte, was bislang noch keinem gelungen war. Anfang November '84 war man sich mündlich einig, im Dezember, nur wenige Tage vor der Aufzeichnung der ersten Sendung in den Münchener Bavaria-Studios, stand ein Zweijahresvertrag.
"Formel
Eins" war Fernsehen nach Ingolfs Geschmack: es forderte den Bielefelder.
Es gab keine Autoren, Ingolf schrieb sich seine Moderationen und Einspieler
selbst. Das Format "Formel Eins" war außerdem in den Achtzigern
einmalig im deutschen Fernsehen: die Sendung präsentierte die Videoclips
der großen Musikfirmen und eigens für die Sendung produzierte
Clips mit internationalen Pop-Ikonen. Das Clipgenre war dabei so neu wie
der Moderator innovativ war. Wenn sich Ingolf auf der Basis seiner in jahrelangen
Tourneen mit Rock- und Kindertheater gewachsenen Fähigkeiten zwischen
den Videoclips über Popgrößen wie Billy Idol oder Thomas
Anders von "Modern Talking" lustig machte, dann war er hinreißend,
unwiderstehlich. Seine flippige Art und die frechen Sprüche kamen an.
Für Tiefstapler Ingolf waren seine quirligen Intermezzi "Überleitungen".
Der HÖRZU sagte er damals: "Das ist schon eine schöne Herausforderung,
wenn du einen Tag vor der Sendung eine Liste mit Musiktiteln bekommst, zu
denen Du Dir die Überleitungen einfallen lassen musst."
Ingolf erwarb sich mühelos den Ruf des bissigsten, originellsten und wildesten Moderators der öffentlich-rechtlichen Musikszene: mit ihm
erreichte "Formel Eins" bis dahin ungekannte Traumquoten von um
die elf Millionen Zuschauern bei Produktionskosten, die mit 75.000 Euro
pro Sendung im Vergleich zu heute lächerlich gering waren. Dass "Formel
Eins" nicht ins erste Programm wechselte hatte, so das Westfalen-Blatt
am 6. November 1984, allein zum Grund, dass die Tagesschau auf ihrem 20-Uhr-Sendeplatz
bestand.
Der
überwältigende Erfolg von "Formel Eins" mündete
schließlich in "Formel Eins Der Film". Am 15. September
1985 startete die Kinoproduktion in der Regie von Wolfgang Büld, heute
bekannt durch erfolgreiche Serienproduktionen wie "Faust" oder
"Küstenwache". In seinem Leinwanddebüt spielte Ingolf
sich selbst - neben Stars wie Meat Loaf, Campino oder Falco und dem späteren
TATORT-Kommissar Dietmar Bär. Ingolf ist seit den Dreharbeiten mit
Campino befreundet, der mit seinen "Toten Hosen" die Bandkasse
mit der Nebenrolle aufstockte, als Mexikaner-Quintett, Heavy-Metal-Band
und Zulu-Rapper überaus penetrant durchs Bild zu musizieren.
Nach
dem ersten Jahr "Formel Eins" indes haderte Ingolf - 1988 sagt
er dem Bielefelder StadtBlatt: " Ich hatte vierzig Sendungen gemacht,
die sehr gut waren. Ich dachte damals, wenn du noch mal vierzig Produktionen
machst, dann merken die Leute, dass du auch nur mit Wasser kochst."
Und Ingolf wollte eines nie: sich wiederholen. Also unterstützte er
seine neuen Freunde von den "Toten Hosen" in einem Prozess gegen
Heino und verlässt "Formel Eins" am 9. Dezember 1985, ein
Jahr vor Vertragsablauf. Nach 42 erfolgreichen Sendungen übergibt er
die Moderation in Anwesenheit von Stargast Stevie Wonder an Stefanie Tücking.
