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1986-95 - Von Totenflo bis Horrorladen

Im Herbst 1986 spielt Ingolf am Düsseldorfer Schauspielhaus die Hauptrolle in Harald Müllers "Totenfloß" unter der Regie des befreundeten Michael Braun. Das Publikum der Uraufführung am 16.10.1986 im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspiels reagiert zunächst gespalten auf die Besetzung der zentralen Rolle in dem düsteren Endzeitdrama "Totenfloß" mit Ingolf Lück, lässt sich aber schnell beeindrucken. Was treibt Ingolf dazu, neben seiner eher "leichten" Fernseharbeit auch "ernstes" Theater zu spielen? Für Ingolf stellt sich diese Frage nicht, dem Bielefelder Stadtblatt sagt er dazu 1988: " Mir geht es nicht darum, wie Dinge gebracht werden, sondern um das Thema. Bei den Projekten, die ich mache, muss ich immer das Gefühl haben, dass es was Neues ist. Diesen Anspruch habe ich an meinen Beruf. Deshalb habe ich diesen Beruf, damit ich mich nicht immer selbst reproduzieren muss, sondern immer was anderes machen kann."

Eine willkommene Abwechslung zu Arbeiten wie der Kinokomödie "Peng! Du bist tot" (1986) ist auch die Dramatisierung des Kultfilms "Clockwork Orange" (Schauspielhaus Bonn, 1988). Ingolf dazu: "Das ist die Erfüllung von Träumen. Als das Schauspielhaus Bonn sagte: Wir haben noch 'ne Million übrig, dramatisierte ich in meiner WG eben 'Clockwork Orange' mit den Toten Hosen, die damals auch gerade nichts zu tun hatten. Seither bin ich mit Campino befreundet."

1988 macht Ingolf einen Abstecher ins Kabarett. Er geht mit dem Berliner Kleinkünstler Hans-Werner Olm und dem gemeinsamen Programm "Gorbatschow muss sterben" auf Tour. Die beiden sehen in diesem Projekt, so Ingolf, den Versuch "in eine relativ verkrustete Geschichte wie das deutsche Kabarett einzusteigen, um sie positiv zu befruchten, zu beleben. Es ist eine Mischung aus Kabarett und Theater." Die Mischung feiert Erfolge: Am 28. April 1988 sind die beiden mit Ausschnitten aus ihrem Programm in der ARD-Sendung "Extratour" zu Gast, 1989 hat Ingolf in den "Mitternachtsspitzen", dem Kabarett-Flaggschiff des WDR Fernsehens, einen Auftritt.

Nach einer ehrgeizigen Musicalinszenierung des "Kasmasutra" (Königsburg Krefeld, 1989) nimmt Ingolf 1992 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg die Hauptrolle des Stücks "Talk Radio" an. Regie führt wieder Michael Braun. Ingolf spielt einen Radiomoderator, der das Seelenleben der Zuhörer seiner Call-In-Show benutzt, um seine Quote zu steigern. Ingolf überzeichnete damit über seine Rolle prophetisch eine Praktik, die sich das deutsche Privatfernsehen nur wenige Jahre später mit Nachmittagstalkshows und Gerichts-Soaps völlig zueigen machen sollte.

Erst 1995 sollten die zahlreichen Fernsehverpflichtungen Ingolf wieder Zeit für ein großes Bühnenprojekt lassen: Das Kaiserhof-Theater des bekannten Underground-Theatermanns Walter "Wally" Bockmeier gibt "Der kleine Horrorladen" in Kölscher Mundart – und Ingolf spielt den sadistischen Zahnarzt Orin. Keine zwiespältige Sache, lässt er sich doch in diesem Jahr selbst, wie er dem "Echo der Frau" verrät "das Gebiss sanieren". Detail am Rande: Das "Kaiserhof"-Theater liegt auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Kölner "Capitol"-Theaters… Ein Jahr später sollte Ingolf dort einen TV-Erfolg sondergleichen feiern – im Capitol wurde ab 1998 "Die Wochenshow" produziert…

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