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Pressespiegel

One Way Man: „Lück meistert diese verbale Tour de Force mit Bravour. Im Alleingang lässt er vor begeistertem Publikum mit intelligentem Witz und wohldosiertem Einsatz von Schenkelklopferzoten das Leben dieses geschäftigen Verlierers „Frank“ Revue passieren. Lück erweist sich als vielseitiger Entertainer und wandelbarer Schauspieler, der gewandt durch Pointen und Palaver poltert. (Die Welt)

One Way Man: „Ein Mann, eine Parkbank, ein Mülleimer und drei Handys. Mehr braucht Ingolf Lück nicht, um auf der Bühne den „One Way Man“ zu geben. Souverän beherrscht er die Bühne und es macht großen Spaß, ihm dabei zuzusehen.“ (Berliner Zeitung)

One Way Man: „In knapp 90 Minuten zeichnet Lück ein ebenso skurriles wie amüsantes Bild der Spezies Neuzeit-Mann. Lück ist witzig, weiß wortgewandt und – gewaltig, mit ausdruckstarker Mimik und Gestik das Publikum zu begeistern und lachen zu machen. Expressiv, nie aber aufdringlich, zeigt er, welches Talent in ihm steckt.“ (Pforzheimer Zeitung)

One Way Man: „Wer ihn bisher nur aus dem Comedy-Fernsehen kennt, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Ironisch und geistreich, auf hohem Niveau“ (Nordwestdeutsche Zeitung)

One Way Man: "Lück spielt die Rolle des markigen, vitalen Schmalspur-Erfolgstyps in seinem Genre auf hohem Niveau. Eine laute und bunte Gesellschaftskritik mit unerwartet feiner Architektur um den poetischen Kern." (Schwarzwälder Bote)

One Way Man: „One Way Man“ ist ein höchst unterhaltsamer Abend, der mit lang anhaltendem Applaus bedacht wird. Von Frauen wie Männern gleichermaßen.“ (Berliner Morgenpost)

One Way Man: “Den von Neurosen und seltsamen Wesen namens `Frauen` geplagten Frank stellt Ingolf Lück in seinem neunzigminütigen Programm souverän und zum Brüllen komisch dar. Manchmal leicht obszön, danach aber direkt wieder intellektuell und humorvoll, zeigt er alle Facetten der männlichen Welt.” (Rhein-Zeitung)

One Way Man: „Ingolf Lück ließ keinen Zweifel aufkommen, dass er ein begnadeter Schauspieler ist, der sein Publikum 2 Stunden begeistern und Ihnen dabei einen Spiegel vorhalten kann.“ (www.bonnaparte.de)

One Way Man: „Was als Einbahnstrasse in die Männlichkeit begann, endet in einem großartig verwirrenden Finale, und als siegreicher Clown verlässt Lück die Bühne“ (Bonner Rundschau)

One Way Man: „Ingolf Lück brilliert in „One Way Man“ als Macho und Verlierer. „One Way Man“ ist ein dynamisches Stück Unterhaltung, das das Thema Mann – Frau aus einer neuen Perspektive beleuchtet und zeigt, dass man das Thema zotig und gleichzeitig intelligent darbieten kann“ (Bonner General-Anzeiger)

One Way Man: “Frank ist kein Klischee, kein dumpfer Machotyp. Er ist einfach ein Mann, dem die Welt über den Kopf gewachsen zu sein scheint. Pointiert präsentiert Ingolf Lück sein Talent, nimmt mit Leichtigkeit den Bühnenraum für sich ein, ist in seiner Agilität ganz nah am Zuschauer. Aber natürlich steckt im Witz auch immer ein wahrer Kern. Lück vermittelt beides.“ (Neue Osnabrücker Zeitung)

One Way Man: „Kabarettistische Lebensnothilfe für die geplagte Männerwelt“ (Rhein-Zeitung)

Männliches Getöse :
In "One Way" poltert Ingolf Lück als "wilder Frank" über die Bühne im Pantheon

Von CHRISTOPH PIERSCHKE

BONN. Frank hat es schwer. Zwar ist der Möchtegern-Yuppie seit sechzehn Jahre erfolgreicher Vertreter für Dichtungsringe in Entsaftermaschinen und kennt die Flughäfen der Welt wie seine Westentasche. Das aber kann doch nicht alles gewesen sein. Also flugs mit der Freundin und dem Chef überworfen, eine Flasche Grappa geleert und ab ins wilde Leben.

Nachdem Ingolf Lück jahrelang erfolgreich mit dem Ein-Mann-Stück "Caveman" getourt ist, hat er sich nun von Thomas Lienenlüke mit "One Way" ein thematisch ähnliches Stück auf den Leib schreiben lassen. Ein Mann, ein Mülleimer, eine Parkbank - das reicht bei der Deutschland-Premiere im Pantheon, um den Höhlenmann konsequent weiter und schließlich ad absurdum zu führen.

Ein trunkenes Ballett in die Freiheit tanzt Lück auf der Bühne. "Das haben Männer mit 40 oft", räsoniert der selbstmitleidige Frank. Morgens gucken sie in den Spiegel und beschließen: "Morgen werde ich Clown." Als "wilder Frank", der morgens im Park zum Handygezwitscher erwacht, poltert Lück über die Bühne. Er träumt davon als "staatlich verbeamteter Stadthippie" herumzulungern, ohne aber auf seine drei Handys zu verzichten. Ständig reißt er Witze über Frauen ("eine Frauenpokerrunde ist schwer vorstellbar") und männliche Softies. Triebgesteuert geifert er hinter den Gitterstäben der Parkbank und verherrlicht das Liebesleben der Bonobos.

Die große Pointe aber schlägt ein wie der Blitz aus heiterem Himmel. Völlig verdattert steht Lück als sein Alter Ego auf der Bühne: "Wer ist Frank?" Das männliche Getöse von Freiheit und Ungebundenheit löst sich in Luft auf, und das Erfrischende an der Obdachlosigkeit wird schal. Den Text aus der Mülltonne kramend persifliert Lück den eigenen Größenwahn, dem kein Berg hoch genug ist. Alles ist nur Rolle - ob Männlein oder Weiblein. Was als Einbahnstraße in die Männlichkeit begann, endet in einem großartig verwirrenden Finale, und als siegreicher Clown verlässt Lück die Bühne.

Auf dem Mount Everest verliert er den Faden:
"One Way - Ein Mann Stück": Ingolf Lück brilliert im Bonner Pantheon als Macho und Verlierer

Von KARIN BERENTZEN

Frank alias Ingolf Lück denkt über sein Leben nachBonn. Eine Parkbank, ein Mülleimer und eine Laterne sind die einzigen Requisiten, mit denen Multitalent Ingolf Lück im Pantheon die Premiere seines abendfüllenden Programms "One Way - Ein Mann Stück" zelebriert.

Zu klassischer Musik den "Moonwalk" tanzend, in der Hand eine Flasche betritt Lück die Bühne. Seinen Mantel wirft er in den Müll und lässt sich theatralisch auf die Parkbank sinken, lallt herum und schläft ein.

Als am nächsten Morgen die Sonne aufgeht, befindet sich der Zuschauer mitten im Leben von Frank Wagner: Am vorherigen Abend hat er sich alkoholgeschwängert mit seinem Chef überworfen, der ihn zwar mit Frank angesprochen, aber gleichzeitig gesiezt hat ("Duzen mit Kondom") und sich auf die Parkbank geflüchtet.

Bis dahin hat er 16 Jahre lang hat als "Herr der Ringe" Dichtungsringe für Küchenmaschinen verkauft. Verkatert reflektiert Frank sein Leben: sein Job, sein Chef, sein Rivale Dieter, den er als "menschgewordenen November" bezeichnet, und natürlich seine Lebensgefährtin Marion.

Dass er ein wirklich guter Schauspieler ist, zeigt Lück, indem er blitzschnell in die jeweilige Rolle schlüpft und dieser mit Stimmlage, Mimik und Gestik einen ganz eigenen Charakter verpasst.

Als Frank Wagner gerade jedes Klischee zwischen Mann und Frau intelligent platt tritt, wird er vom Handyklingeln unterbrochen. Es ist Marion, sie ist dieses Mal wirklich sauer und setzt ihn vor die Tür. Im nächsten Gespräch fordert sie einen Liebesbeweis. In ihm kommt immer wieder der Primat im Manne hoch, und er wünscht sich, ein Bonobo-Äffchen zu sein, das alle Konflikte mittels Sex löst.

Als Frank gerade über die Be~steigung des Mount Everest sinniert, verliert Lück den Faden. Schuld sei, so stammelt er nervös, seine Frau, die ihm beim Abhören an dieser Stelle gesagt habe:

"Ingolf, du bist genauso wie der Frank." Also fischt Lück kurzerhand das Skript aus dem Müll und erzählt das Ende der Geschichte von Marion und Frank im Schnelldurchlauf: Es gibt natürlich eine Versöhnung - "total kitschiges Rosamunde Pilcher-Gesäuere".

"One way" ist ein dynamisches Stück Unterhaltung, das das Thema Mann-Frau aus einer neuen Perspektive beleuchtet und zeigt, dass man das Thema zotig und gleichzeitig intelligent darbieten kann.

(22.03.2007)

THEATERPREMIERE
Der nette TV-Star von nebenan

VON OLIVER DE WEERT

Er ist der nette Fernsehstar von nebenan: sportlich, Jeans, Porsche (älteres Modell). Ingolf Lück, Moderator, Schauspieler, Comedian - und derzeit ziemlich nervös vor der Premiere seines Theaterstücks. "Traumfrau Mutter" heißt die Produktion an der Treptower Arena. Sechs Frauen durfte der Regiedebütant dafür sechs Proben-Wochen lang über die Bühne scheuchen. Seit dem dritten Tag in Berlin vermisst er allerdings eine andere "ganz schrecklich": Lily Chi heißt sie, ist gerade drei geworden und lebt mit Lücks Freundin Stefanie im heimischen Köln. Die lange Zeit der Trennung hat er unterschätzt: "Wenn man ein Kind bekommt, ist nichts mehr wie vorher", sagt er und ist damit wieder mittendrin im Thema der Arena-Inszenierung.

Sechs Frauen, sechs Mütter, sechsmal die gleichen kleinen Alltagskatastrophen, Verzweiflungen, Erleichterungen. Eben alles, was das Mutter-Sein ausmacht. Oder auch ein Vaterdasein - siehe Ingolf Lück. Er fand das Werk eines kanadischen Autorinnen-Kollektivs "so klasse, dass ich mich geärgert habe, keine der Rollen selbst übernehmen zu können". Blieb die Regie und das Feilen an einer stark berlinisierten und mit Musik angereicherten Fassung des zehn Jahre alten Erfolgsstoffes - Originaltitel: "Mom's the word".

Lück ist kein Anfänger am Theater, er ist dahin zurückgekehrt. In Bielefeld war er Ende der siebziger Jahre Mitbegründer einer freien Gruppe, später spielte er in Bonn, Düsseldorf und Hamburg. Außerdem ging Lück mit seinem Kabarettisten-Kollegen Hans Werner Olm auf Tournee. Eine Erfahrung, an die er sich mit großem Vergnügen erinnert. Irgendwann gewann das Fernsehen die Überhand, zuletzt der Vollzeit Job der SAT.1-"Wochenshow" - 250 Sendungen lang Humor vom Fließband - dafür mit Feierabend bei der Familie. Esther Schweins' "Caveman"-Inszenierung, mit der er in Köln I auftritt, beendete im Herbst seine jahrelange Bühnen-Abstinenz. Sein Anreiz: "Im Fernsehen sind keine großen Gesten möglich. Theater zeigt immer das Ganze", holt Lück aus, als könne er die Enge des Bildschirm-Ausschnitts noch körperlich spüren. Tatsächlich verordnete er sich nach dem Aus der Wochenshow und zwei geflopten Formaten im Vorjahr zunächst eine TV-Zwangspause. Im Herbst soll sie vorbei sein.

Vom komischen Fach kommt der Berufs-Witzbold auch auf dem Regiesessel nicht los. Zwar böte die Mütter-Nummer Stoff für ernsthafte Betrachtungen, die drohende Tragödie wird jedoch stets rechtzeitig mit einem Lacher abgewendet. Soziale Probleme? Fehlanzeige. "Wir machen hier Comedy." Im Fall der sechs "Traumfrauen" Deborah, Barbara, Alison, Linda, Robin und Jill - allesamt besetzt mit Theater- und Fernsehdarstellerinnen, die selbst Mütter sind - kreisen die lust- und leidvollen Dialoge um vollgespuckte Abendgarderobe, unausgeschlafene Sonntage, und einen eklatanten Mangel an Sex. Erfahrungen, bei denen Co-Erzieher Lück offenbar mitreden und -fühlen kann.

Auf der Arena-Bühne spielen Väter allenfalls indirekt eine Rolle. Es wird nur über sie geredet - und das meist nicht eben vorteilhaft. Die Männer haben sich entweder "bei der Geburt verpisst" oder sind fern der häuslichen Dramen bei der Arbeit. Das Stück sei kein Plädoyer für die allein erziehende Frau, eher, so Lück, eine humorvolle "Bibel der Mutterschaft. Es befreit beim Zuschauen." Lück jedenfalls fühlt sich so inspiriert, dass er darüber nachdenkt, selbst ein Stück zu schreiben - Titel: "Traum-Mann Vater".



Ingolf Lück: "Ich konnte Bohlens Karriere nicht verhindern"
[Braunschweiger Zeitung, 03.12.2003]

lm Graffiti-Interview spricht der Comedystar über nackte Musiker, grünen Tee und humorlose Psychoanalytiker aus Österreich. Angriffslustig, schlagfertig, ein klein wenig frivol - Ingolf Lück (45) ist ein Lausbube. Seit fast 20 Jahren treibt er im Fernsehen seine Späße. Das ist eine Ewigkeit im Genre Comedy, wo mancher schon nach einer Show absäuft. Lücks Hits waren Formel Eins (ARD) und Die Wochenshow (SAT.1). Zurzeit ist er mit Das Büro auf ProSieben zu sehen. Mit Stefan Boysen sprach er im Graffiti-Interview über nackte Musiker, grünen Tee und humorlose Psychoanalytiker aus Österreich.

Viele Menschen sehnen sich in die 80er zurück, Wieso lassen Sie nicht Formel Eins aufleben und werden dadurch reich und sexy?

Ich war damals doch schon sexy. Ich hatte knallenge Lederhosen an mit ganz lustigen Knöpfen… Die Idee gab es tatsächlich vor einem Jahr. Aber ich will die schöne Erinnerung an früher nicht dadurch eintrüben, dass wir Formel Eins aufwärmen. Nun muss ich andere Strategien entwickeln, um wieder sexy zu werden. Und vielleicht reich…

Apropos Sex, Gab es auch in den 80ern schon Musiker, die sich für ihre Videos ausgezogen haben?

Es gab Madonna, die damals mit "Like a Virgin" groß herauskam - und die war ganz schön entkleidet.

Welcher Star war zu Ihnen richtig böse?

Hm, böse, da fällt mir gar keiner ein… Natürlich war Modern Talking richtig böse. Bohlen und Anders haben gesagt: "Du, wir stehen jetzt auf, wenn du noch einmal eine so blöde Frage stellst." Dann habe ich gesagt: "Dann steht doch auf, wir werden das dann senden." Das war damals mein Versuch, Bohlens und Anders' Karriere zu verhindern. Leider ist mir das nicht gelungen - den Schuh muss ich mir anziehen.

Und welcher Musiker war ausgesprochen lieb?

Großartig waren Begegnungen mit Freddy Mercury, Stevie Wonder, Bon Jovi. Wer mich sehr beeindruckt hat, auch menschlich, war Falco.

Wie gefallen ihnen denn die heutigen Musikvideos? Schauen Sie ganz gern mal bei Viva und MTV rein?

Nö, ich gucke mir keine Videos an. Ich schaue mir auf MTV Jackass an, das finde ich ganz großartig. Das hat etwas Kathartisches, Befreiendes. Ich habe Viva und MTV auf meiner Fernbedienung auf Platz 16 und 17 gespeichert - und Arte auf 4. Das ist meinem Alter angemessener.

Seit 1984 sehen wir Sie im Fernsehen. Spüren Sie Verschleiß, oder sind Sie ein fitter und vitaler Ingolf wie am ersten Tag?

An der Fitness kann man arbeiten: Ich rauche nicht, trinke seit vielen Jahren nur grünen Tee, mache ganz viel Sport, stehe früh auf. Abnutzungserscheinungen können auftreten, wenn man sieben Jahre durcharbeitet und 250 Wochenshow-Sendungen macht. Deswegen habe ich nach Ende der Wochenshow ein Jahr Drehpause eingelegt und Theater gespielt, zudem in Berlin ein Stück inszeniert. Wenn ich so was mache, kriegt der Affe Zucker.

Sie bringen die Leute immer wieder zum Lachen. Schaffen Sie das auch mit Menschen, die keinen Humor haben?

Eine schwierige Frage. Selbst Freud hat ja über den Humor geschrieben - übrigens nicht besonders witzig. Ich glaube, man kann jeden irgendwie knacken, jeden locken, die Zähne auseinander zu kriegen.

Welche Show haben Sie am liebsten gemacht?

Das kann ich nicht sagen. Schön ist es immer, mit Gleichgesinnten ein Projekt zu veranstalten. Unsere Hoffnung, entsprungen der alternativen Theaterszene Ende der 70er, hat sich erfüllt: nämlich mit Leuten zusammen etwas auf die Beine zu stellen und davon leben zu können. Zumindest bisher.

Sie sind jetzt 45 Jahre alt, Müssen Sie nicht bald zu den Öffentlich-Rechtlichen zurückkehren, wenn Sie noch weiter Fernsehen machen wollen?

Comedy ist nicht abhängig vom Alter, sonst hätten nicht so viele über Heinz Erhardt und Peter Frankenfeld gelacht. Wir sind mit Das Büro angetreten, um auch die älteren Zuschauer an ProSieben zu binden. Der Sender hat gute Marktanteile bei den 14- bis 29-Jährigen. Darüber hinaus hat ProSieben Nachholbedarf. Deswegen gibt es das Büro für Menschen, die schon einmal in einem Büro gearbeitet haben. Übrigens: Wenn die Öffentlich-Rechtlichen Platz für Comedy schaffen und gute Sachen nicht in der Nacht laufen lassen würden, dann könnte man auch da Comedy machen.



Macht (es) in der Teeküche
[Der Standard, 22.11.2003]

Ein Chef, der nichts kann und nichts weiß: ein Archetypus, behauptet Komiker Ingolf Lück im Gespräch mit Doris Priesching. Ab Montag 21.15 Uhr stellt er ihn in "Das Büro" in Serie dar und rät zur Ansicht zwecks Wiedererkennung.

STANDARD: Einer der zentralen Orte eines Fernsehbüros ist immer wieder das Klo. Wie kommt das?

Lück: Die Leute müssen ja aufs Klo gehen und nichts ist unangenehmer, als wenn man am Örtchen den Chef trifft. Sagt man "guten Tag" und gibt ihm die Hand? Oder ist man unhöflich und gibt ihm nicht die Hand? Das ist ein Ort, den wir auch bespielen, aber nicht der zentrale Ort, weil die Serie ja nicht "Das Klo"heißt, sondern "Das Büro".

STANDARD: Gemeinhin wird der Büroalltag doch eher als langweilig empfunden.

Lück: Im Büro stellen sich die wichtigsten Fragen der menschlichen Existenz: Liebe, Kampf, Eifersucht und Sex in der Teeküche. Die Charaktere sind archetypisch: der junge Schleimer, der Womanizer, die eiskalte Marketing-Chefin, die Betriebsnudel, der Prada-Vamp, das überforderte Vorzimmer-Mäuschen und der IT-Fachidiot. Und über all dem thront der Chef - der "Visionär", der Global Player.

STANDARD: Haben Sie sich Einblicke verschafft, wie es in Wirklichkeit in Büros abläuft?

Lück: Meine Eltern waren Kaufleute, ich habe als Schüler in einem Schulbuchverlag gearbeitet. Die Arbeit in einer modernen Film- und Fernsehproduktion wie ProSieben-SAT.1 ist natürlich Büro pur.

STANDARD: Ähnlichkeiten mit der in den 80er Jahren erfolgreichen Serie "Büro, Büro" von Rainhard Schwabenitzky halten sich allerdings in Grenzen.

Lück: Ich habe "Büro, Büro" geliebt. Was aber letztlich zwischen den Menschen passiert, hat sich bis heute nicht verändert. Heute kommt allerdings noch der Kampf mit der Technik dazu.

STANDARD: Drehen sich Comedys lustiger als andere Genres?

Lück: Wir haben in diesem heißen Sommer in einem Bürohaus ohne Klimaanlage gedreht. Das war ziemlich hart. Comedy ist auch so anstrengender, weil wir uns immer etwas über der Realität bewegen. Wenn ich in einem "Tatort" eine Bank überfallen muss, gehe ich in die Bank, überfalle sie und geh' wieder raus. Bei einer Comedy-Serie kommt man raus, muss fünf Autos ausweichen, mit dem Schmuck jonglieren und dann noch möglichst präzise gegen den Laternenpfahl krachen.

STANDARD: Was sagen Sie zu den neuen TV-Formaten: Castingshow, Containerfernsehen, Dokusoap oder Realitydoku?

Lück: Ich mag Sendungen wie "Frauentausch" (RTL 2-Variante von "Tausche Familie", Anm.). Bei den Castingshows ist das eine Welle, die nicht auf jedem Sender gleich gut funktioniert.



Neue Seiten eines alten Themas
Ingolf Lück spielt im Pantheon das Ein-Mann-Stück "Caveman"
[Bonner Rundschau 13.09.2003]

von CHRISTIAN BÖHM

BONN. Männer. Das Thema: ein Dauerbrenner. Das Stück "Caveman": in Amerika ein Riesenerfolg - seit zwölf Jahren schon. Der Darsteller Ingolf Lück: nicht erst seit der Sat 1-Serie "Wochenshow" ein Star unter Comedians. Leicht auszurechnen, wie gut "Caveman" nun im Pantheon ankam. Geschrieben wurde "Caveman" von dem amerikanischen Comedian Rob Becker. Kristian Bader hat es ins Deutsche übersetzt, Esther Schweins machte als Regisseurin den Erfolg dieses Gassenhauers' auch in Deutschland perfekt. Als Theaterstück - beginnt "Caveman", -, doch_ wächst es sich eher zu - einer Ein-Mann-Comedy-Show aus. Ingolf Lück reiht Sketch an Sketch, jeder die Variation eines nur allzu bekannten Themas. Das Wesen des Mannes und der Kampf der Geschlechter - selten wurde auf amüsantere und überzeugendere Weise versucht, Klischees eine neue Seite abzuringen.

Ingolf Lück spielt Tom. Tom hat Stress mit seiner Freundin, erfährt der Zuschauer gerade noch, bevor er mit der langen Geschichte. der Geschlechterdifferenz konfrontiert wird. Der Neandertaler: war er männlich, war er ein Jäger. War er, weiblich, war er, eine Sammlerin. Am Prinzip hat sich nichts geändert. Das jedenfalls versucht Tom den Zuschauern klar zu machen. Dabei hätten die Männer der 68er-Generation versucht, ihre feminine Seite zu entdeckten: Sie strickten. In den 80ern hätten sie versucht, die besseren Frauen zu sein. In den 90ern war die behauptete Transformation des Mannes abgeschlossen: es habe nur noch Frauen und "Scheißkerle" gegeben. Das ist die Gegenwart des Stückes.

Frauen Und Scheißkerle die Geschichte, die mit "Caveman" erzählt wird, hat allerdings eine ziemlich triefende Moral. "Ein Mann soll wie ein Mann sein. Aber er soll die Energie aufbringen, die andere Seite zu verstehen." Im Publikum gab es eine Reaktion, die die umwerfende Wirkung von "Caveman" mit Ingolf Lück aufzeigt. Ja!", brummte ein Zuschauer mehr für sich, doch für alle vernehmlich nach diesem Sermon. Grenzenlose Heiterkeit war die Folge. Aber diese spontane Bestätigung, des so humorvoll Ausgeführten zeigte doch, dass das Stück den Nerv der Zuschauer trifft - welch ein sympathisches Stück!



Herr Lück - sind Sie ein guter Hechler?
[STERN, April 2003]

Ingolf Lück inszeniert in Berlin sein erstes Stück: die deutsche Premiere der kanadischen Komödie "Traumfrau Mutter - Windeln, wenig Sex und andere Katastrophen": Ein Blick ins väterliche Gefühlsleben des "Wochenshow"-Stars.

Kann man beim Kartenkauf gleich den Babysitter buchen?

Klar. Außerdem gibt es in der Morgenvorstellung um 5:30 Uhr zwei Stillpausen; jeder Sitz ist mit einem Fläschchenwärmer ausgestattet und dem Brevier mit exklusiven Tipps: "Windeln weg in einem Tag" zum Beispiel.

Angehende Papas machen brav Hechelkurse mit - waren Sie auch dabei?

Hey, ich bin Schauspieler, ausgebildeter Hechler und ein ganz großer Presser: Ich habe unsere Tochter quasi allein auf die Welt gehechelt, während meine Frau draußen gewartet und eine gequalmt hat. Die beste Geburtsstation für werdende Väter sieht so aus: Kneif dir in die Oberlippe! Fest! Noch fester! Und dann zieh sie dir laaangsam über den Kopf!

Aha. Nun bitte Geheimtipps, wie das Leben mit Kindern leichter wird.

Du musst dein Kind schon für den nächsten Tag anziehen, wenn du es ins Bett bringst. Und wenn dich dein Kind zur Weißglut bringt, kannst du ruhig Tränen einsetzen, dann spuren sie - noch besser funktioniert aber, sich tot zu stellen.

Welches Kinder- oder Elternbuch würden Sie gern schreiben?

"Halt's Maul, du kleiner Racker, sonst knallt's, du kleiner Kacker!"

Welche Anzeichen physischen und geistigen Verfalls konstatieren Sie seit Beginn Ihrer Vaterschaft?

Hä? Könnense die Frage noch mal…?

Du Papa - du sein dick und doof?

Ach so. Ich habe wenig Sex, meine Frau vermutlich auch. Ich gucke tolle Kinofilme zwei Jahre später, ich habe vor 261 Tagen zuletzt Fußball gespielt und hatte einen Bandscheibenvorfall, weil ich meine Tochter falsch gehoben habe. Aber wenn Lilly mir morgens den ersten nassen Kuss gibt, weiß ich: Es lohnt sich!

INTERVIEW: BETTINA SCHNEUER



Eigentlich bin ich doch eher eine Frau
Nach sechs Jahren Theaterpause erklärt Ingolf Lück in "Caveman" das archaische Verhältnis zwischen den Geschlechtern
[Süddeutsche Zeitung, 18.10.2002]

Den Kampf der Geschlechter durchlebt ab dem heutigen Freitag Ingolf Lück, 44, im Gloria-Theater in Köln. Der "Wochenshow"-Anchorman und gebürtige Bielefelder spielt das Solostück "Caveman" des US-Autors Rob Becker. Regie führt Esther Schweins. Lück ist Tom, den seine Freundin vor die Tür gesetzt hat und der dort über das Verhältnis von Männern und Frauen sinniert. Claudia Fromme sprach für die Süddeutsche Zeitung mit ihm über Frauen, Männer und Bielefeld.

SZ: Was läuft's bei der Arminia, Herr Lück?

Lück: Ganz gut. Endlich wieder 1. Bundesliga, leider 12. Platz. Wir müssen da noch einiges tun, um hochzukommen.

SZ: Fußballproll Ansgar Brinkmann, der zu Spielen schon mal aus der Kneipe geholt werden muss und sich prügelt, dürfte dem Caveman ganz gut gefallen.

Lück: Klar, Brinkmann ist der letzte Cowboy der Bundesliga. Der ist rücksichtslos, nicht nur auf dem Platz. Außerdem entwickelt der im gegnerischen Strafraum eine dreiste Genialität. Mit elegantem Fußball hat das nichts zu tun. Er ist ein Handwerker. Ein Klotz. Ein Mann. Dieser Spieler imponiert mir, der hat so etwas Archaisches.

SZ: Wie viel Höhlenmensch steckt denn noch in den übrigen Männern?

Lück: Das erste Wort in Caveman ist "Scheißkerl", das letzte auch. Dazwischen liegen drei Millionen Jahre Evolution. Männer waren immer Jäger, Frauen immer Sammler. Wenn Männer heute schnelle Autos fahren und Frauen einen Schuhtick haben, ist das nichts anderes.

SZ: Wie viel Caveman steckt in Lück?

Lück: Es gibt sicher eine gewisse Affinität zu der Figur, aber er ist sicher nicht Lück. Das wäre ja langweilig.

SZ: Sie haben das Hörbuch "Was Männer wirklich antörnt" gesprochen, Paar-Therapeuten empfehlen den Besuch von Caveman. Sind sie nun Frauenversteher?

Lück: Nein, Männerverteidiger. Ich bin ein Mann und stolz drauf. Über die ewigen Themen

Liebe, Kampf, Tod, Eifer-sacht wurde immer geredet, auch von Männern. Heute diskutieren wir aber mehr, was die Geschlechter voneinander wollen. Darum erkläre ich auf der Sex-CD auch, dass wir Männer es gar nicht schlecht finden, wenn Frauen uns ab und an den Finger in den Hintern stecken.

SZ: Huch!

Lück: Ja, auch mir ist beim Vorlesen die Schamesröte ins Gesicht geschossen. In Caveman ist das auch alles drin, aber viel verschlüsselter, braver. Allerdings sicher weniger brav als im Originaltext. Esther Schweins hat die amerikanische Fassung komplett umgeschrieben. Keinen Sex vor der Ehe zu haben, wie es im Original steht, mag in Amerika ein Thema sein, in Deutschland nicht.

SZ: Wie ist der deutsche Caveman?

Lück: Esther hat ihn zu einer urdeutschen Figur gemacht. Sie hat die Stand-up-Comedy in ein richtiges Theaterstück gewandelt. Der Mann auf der Bühne ist Mitte vierzig, wie ich. Er beschreibt das, was auch ich mitgemacht habe. Die 68er mit Diskurs und WGs, die 80er mit AKWs und "Formel Eins". Und dazwischen der ewige Tanz der Geschlechter um das Thema Sex: direkt zur Sache oder doch lieber drei Stunden quatschen? Dabei wollen wir Männer seit drei Millionen Jahren nur das eine: direkt zur Sache gehen.

SZ: "Frauen werden nicht durch Logik behindert" klingt nicht nach richtigem Theater, sondern nach Zotenstadl.

Lück: Ich habe nicht behauptet, dass Caveman intellektuell ist. Solche Sätze bilden Inseln im Stück, die diskutiert werden. Caveman ist leichte Kost, eher Comedy. Was soll daran schlecht sein? Ab nächster Woche werde ich auch wieder an einer Comedy-Soloshow arbeiten. In zwanzig Jahren möchte ich vielleicht mal richtige Literatur spielen. Thomas Bernhard etwa.

SZ: Zurück zur leichten Kost: Caveman ist das erfolgreichste Solostück am Broadway. Kriegen Sie da Fracksausen?

Lück: Also, mir passt das eigentlich nicht, dass in jeder Ankündigung von Caveman die zwei Millionen Zuschauer präsentiert werden. Ehrlich gesagt: Ich würde nicht in ein erfolgreiches Broadway-Programm gehen. Das klingt immer nach "CATS", da wird womöglich noch getanzt, würde ich mir denken und wegbleiben.

SZ: Kristian Bader spielt seit Jahren vor meist ausverkauften Häusern den Caveman. Macht Ihnen das nicht Angst?

Lück: Nein. Jeder Caveman ist anders. Ich habe keinen der bisher acht Cavemen in Deutschland gesehen. Sonst wäre ich viel zu befangen. Wenn ich mir etwas angucke, habe ich ein Bild vor Augen, das nicht mein eigenes ist. Gerade bei einem Solostück kann das schnell passieren. Ich habe versucht, einen eigenen Caveman zu entwickeln mit mehr Tempo.

SZ: Was ist anders als beim Fernsehen?

Lück: Respekt habe ich vor den zwei Stunden Monolog. Bei der "Wochenshow" betrug der Liveanteil nur 20 Minuten. Aber ich stehe ja nicht zum ersten Mal auf der Bühne habe mit 20 das Frapp-Theater in Bielefeld mit 99 Plätzen eröffnet. Damals, als ich dort noch mit zehn Leuten und drei Hunden in einer Lebensarbeitsgemeinschaft gewohnt habe. Aber es ist mein erstes Solostück. Zudem habe ich im Theater eine größere Verantwortung. Bei der Wochenshow haben die Leute reingezappt, beim Theater reisen sie frisch frisiert an, vielleicht sind sie für mich durch den Regen gefahren.

SZ: Ihre" Wochenshow" hat seinerzeit der schwächelnden "Samstag Nacht" den finalen Todesstoß verpasst. Heute sagt Ihnen Esther Schweins, wo es lang geht.

Lück: Wir kannten uns vor Caveman ja gar nicht richtig. Als wir mit den Proben anfingen, war da natürlich erst so eine Skepsis. Jetzt nicht mehr, klar.

SZ: Spielt es eine Rolle, dass eine Frau die Regie übernommen hat?

Lück: Ich glaube schon. Die Proben in Berlin dauerten ein wenig länger, weil wir - angefeuert von den Themen im Stück - immer weiter diskutierten. Ich glaube, Esther würde am liebsten selbst den Caveman spielen. Esther Schweins ist ja nicht nur Regisseurin, sondern auch Schauspielerin. Sie hat mir Sachen vorgemacht. Etwa, wie sie glaubt, wie Männer sich bewegen. Schwerfällig und unelegant. Pah! Das habe ich natürlich nicht gemacht. Es reicht schon, dass ich den Geknechten spielen muss, der von einer Frau vor die Tür gesetzt wurde.

SZ: Welche Frau hat Sie denn schon einmal vor die Tür gesetzt?

Lück: Keine, bislang jedenfalls noch nicht. Ich bin immer der, der gegangen ist und nach drei Runden um den Block wieder an der Tür gekratzt hat.

SZ: Klingt nicht sehr männlich…

Lück: Für den Caveman vielleicht nicht, für mich persönlich schon. Ich bin sowieso im falschen Körper gefangen. Eigentlich bin ich doch eher eine Frau.



Nasenkorrektur am Küchentisch
[SPIEGEL, 01/2001]

Ingolf Lück, 42, bekannt aus der SAT.1-Ulksendung "Wochenshow" ("Danke, Anke!"), ist demnächst als Schönheitsoperateur in der Sat.1-Comedy "Der Doc - Schönheit ist machbar" zu sehen.

SPIEGEL: Herr Lück, sind Sie eitel?

Lück: Ein Mensch, der von Kindesbeinen an mit meiner Physiognomie geschlagen ist, der kann nicht besonders eitel sein.

SPIEGEL: Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, Ihre Nase richten zu lassen?

Lück: Nein. Ich glaube, dass spätestens wenn sich alle den goldenen Schnitt haben machen lassen, ein neues Schönheitsideal gelten wird. Und dann bin ich mit meinem Aussehen vorne dabei. Es lohnt sich also, einfach zu warten.

SPIEGEL: Der goldene Gesichtsschnitt - was soll das sein?

Lück: Angeblich haben schöne Menschen einen Nasen-Lippen-Winkel von 110 Grad. Aber heutzutage ist Schönheit ohnehin kaufbar.

SPIEGEL: Wird's denn im Serien-OP auch mal blutig?

Lück: Um Gottes willen, nein. Eigentlich geht es ja um das Drumherum, das Zwischenmenschliche der Klinik-Besatzung. Natürlich haben wir uns von Schönheitschirurgen zeigen lassen, wie man Fett absaugt, Lider strafft oder ein Kinn korrigiert.

SPIEGEL: Und diese wunderbar appetitlichen Details chirurgischer Handarbeit zeigen Sie?

Lück: Na klar. Und ich denke, ein Zuschauer, der gut aufpasst, könnte wohl einfache Dinge wie eine Nasenkorrektur zu Hause am Küchentisch nachmachen.

SPIEGEL: Gefällt Ihnen das High-Society-Milieu, das "Der Doc" karikiert?

Lück: Nein. Ich verweigere mich seit 20 Jahren den Hochglanz-Magazinen. Es ist natürlich ein bisschen schwierig, wenn man meinen Job macht und an dieser Art von Popularität nicht interessiert ist. Entweder macht man den Job gut, dann wird man automatisch populär. Oder man wird nicht populär, dann wird man den Job nicht lange machen.



Lück im Glück
[Brigitte, 28. Juli 1999]

Det isser doch, oder nich? Wartet auf den Lift, in oller Jeans, blauem Daunenanorak und Turnschuhen, wie einer, der von der Uni kommt, Geschichtsvorlesung oder so. "Nehm Se besser die Treppe", raten die Leute von der Getränkefirma, die den Aufzug mit ihren Cola-Kästen belegt halten. Sie warten jetzt auch. Auf einen Spruch, irgendwas Witziges, weil der Lück doch immer witzig ist im Fernsehen. "Ich bin gerade vier Kilometer Fahrrad gefahren", antwortet der Lück ziemlich ernst, "da darf ich auch mal den Fahrstuhl nehmen." Darf er, nur gucken die Cola-Jungs jetzt ziemlich verblüfft aus der Wäsche: "Watt denn, mit dem Fahrrad kommt der? Hat Sat.1 kein Geld?"

Wäre der Sender tatsächlich knapp bei Kasse - bei seinem Comedy-Champ Ingolf Lück würde er kaum anfangen mit dem Sparen. Goldesel muss man füttern. Schließlich versammeln sich jeden Samstagabend bis zu sechs Millionen vor allem jüngere Zuschauer zur "Wochenshow" vor dem Fernseher. Mit Nonsens, Sketchen und dummen Sprüchen schafften es Anchorman Lück, die schöne Anke Engelke, Bastian "Brisko" Pastewka und Markus Maria Profitlich, ihre "witzigsten Nachrichten der Welt" zur erfolgreichsten deutschen Comedy-Sendung hochzublödeln. Wenn Anke Engelke als Nachrichtentussi charmant "zurück zu Lück" flötet und Lück sein moderates "Danke, Anke" retour schickt, tobt der voll besetzte Saal im Kölner Capitol.

Freitag, sieben Stunden bis zur Aufzeichnung. Im dritten Stock des Capitols lümmelt Lück inzwischen breitbeinig an seinem Schreibtisch. Seine Augen tränen, die Nase juckt. Lücks natürliche Feinde, die Pollen, sind unterwegs. "Ich habe deshalb noch niemals in einem Feld geknutscht, können Sie sich das vorstellen?", schnieft Lück. Auch sonst kneift es ihn hier und da, aber was soll's: "Ein Freund meines Vaters hat immer gesagt: Wenn du mit 40 aufwachst, und dir tut nichts weh, bist du tot!" Papierstapel türmen sich neben Kassettenbergen. Am Dienstag hockten die "Wochenshow"-Witzbolde ("unsere Wohngemeinschaft") wieder mal zusammen hier in seinem Büro. Brüteten über den Sketchen, die das zehnköpfige Autorenteam für sie geschrieben hatte. Lück maulte, weil sie ihm für eine Szene einen dieser verhassten Schnurrbärte ankleben wollten; Anke fand ein paar Sätze in ihrem Text überflüssig, nur Bastian kicherte schon jetzt zufrieden über dem Skript. Also haben sie umgeschrieben, probiert, gefrotzelt und zwischendurch gebrüllt vor Lachen, bis die Faxe ganz rot waren von ihren Änderungsvorschlägen. "Jede Woche das Gleiche: Die spielen nur, wenn sie vollkommen dahinter stehen", stöhnt Regisseur Matthias Kitter. Manchmal geht die Feilscherei um Worte, Gesten und Nuancen noch los, wenn Lück schon fertig kostümiert als tumber Frührentner Herbert Görgens oder Sportreporter Werner Liefen dasteht. Lück zweifelt am ausdauerndsten, aber am Schluss liegen sich alle wieder in den Armen. "Wenn einer sauer auf den anderen ist", weiß der Anchorman, "merken das alle sofort. Dann setzen wir uns hin und reden."

Lück steht aufs Ausdiskutieren, auf Demokratie immer und überall. Früher wollte er mal Sozialarbeiter werden, und wenn er für sein Pädagogik-, Geschichts- und Philosophiestudium ein paar Semester mehr übrig gehabt hätte, wäre er wahrscheinlich irgendwann in irgendeiner Studenten-Vertretung gelandet. Nur machte er bei einer Schulaufführung mal den Regisseur, und da hatte ihn das Theater dann am Wickel. Die Schauspielschulen schickten nur Absagen, also organisierte er sich sein Rüstzeug in Eigenregie: Er lernte steppen ("Dafür habe ich der Stepplehrerin zweimal wöchentlich den Übungsraum geputzt"), tanzen, reiten ("Da habe ich gemerkt, dass ich allergisch gegen Pferde bin, das war grausam"), gründete einen Mitmachzirkus für Kinder, und da irgendwie Kohle reinkommen musste, sah man Lück in der Fußgängerzone Bielefelds Feuer spucken, Einrad fahren und jonglieren oder die einzig wahre Autopolitur anpreisen. Irgendwann landete das Multitalent im Bielefelder Kabarett "Frapp-Theater", ging mit Satirestücken auf Tournee, stand in "Talk Radio" sogar auf der Bühne des Hamburger Schauspielhauses.

1985 klopfte dann das Fernsehen an: Lück wurde Chefpilot der ARD-Hitparade "Formel eins", es heißt, die Macher seien schon bei den Probeaufnahmen in wildes Kichern über den urigen Kerl mit der langen Nase ausgebrochen. Lück neckte und blödelte von da an die Idole der Teens von ihren Sockeln, sketchte rotzfrech ("Ich bin seit zehn Jahren pop-musikabhängig"), bis die Kids sich beim Sender über sein "blödes Gequatsche" beschwerten und Lück nach mehr als 40 Sendungen keinen Bock mehr hatte. Andere Shows kamen, andere Filme, ein paar Bühnenrollen, ein (immerhin preisgekrönter) Werbespot für Kondome. Viele Frösche, aber kein Prinz. Einmal sollte Lück bei Regisseur-Enfant-terrible Peter Zadek vorsprechen. Der suchte eine Besetzung für seinen Jugendsünder "Andi". "Zadek lag auf dem Sofa und sagte: Das ist aber ein Böser, den du da spielen sollst. Und du bist doch eigentlich ein Lieber!" erinnert sich Lück. "Am nächsten Tag stellte sich mein Freund, der Schauspieler Ralf Richter, bei Zadek vor und sagte: "Zadek, du Idiot, was willst du eigentlich, wen soll ich hier spielen?" Der kriegte die Rolle." Lück ist sein unverschämt spitz-bübisches Grinsen dennoch nie vergangen. "Ich wusste noch aus meiner Kindheit: Nach einer Schlägerei darfst du nie auf dem Boden liegen, dann treten sie dir ins Gesicht. Wie oft habe ich irgendwo vorgespielt, und die Leute haben gesagt: Das ist aber nicht witzig. Da muss man sagen: Doch, das ist witzig, ich weiß das! Im Vergleich zu vielen anderen Kollegen und Freunden, die ein Stück Weg mit mir gegangen sind", sagt er, "bin ich immer weitergegangen, wenn's hart wurde."

Lücks Eltern können Ingolfs Ruhm manchmal nicht fassen - sie haben ihren jungen ganz anders in Erinnerung. Als Pummel, der stundenlang mit Knabberzeug vor der Glotze hing, da wo der Spaß halt herkommt, wenn man in der Bielefelder Vorstadt wohnt und der Horizont an der Fensterfront des gegenüberliegenden Hochhauses endet. "Meine Mutter sagte: 'Junge, du musst dich wahrscheinlich für dein Leben dran gewöhnen, dass du mehr als andere arbeiten musst, um etwas zu erreichen.' Das habe ich mir sehr zu Herzen genommen, das ist so drin in mir." Aber: "Weil ich dick war, wurde ich von den anderen gar nicht wahrgenommen. Es gab Kinder, die konnten gut Fußball spielen, andere machten tolle Sachen mit ihrem Chemiebaukasten. Um was zu werden, muss man aber nun mal sportlich sein oder hochintelligent. Ich war von beidem nichts. Dafür war ich schon immer gern der August. Dadurch kann man sich hinter den wirklichen Problemen auch ein bisschen verstecken." Als 15-Jähriger speckt Lück ab, indem er zwei Monate lang nur Heidelbeerjoghurt run-terwürgt ("Wenn ich das Wort nur lese, wird mir schlecht"); die Lektion, dass auf der Bühne nicht zählt, woher einer kommt oder was er ist, begreift Lück, als er mit Onkel Karl-Heinz, einem Bekannten seines Vaters, für ein paar Mark Gage auf Sparkassenfesten und Altennachmittagen swingt: "Onkel Karl-Heinz saß am Akkordeon, ich schrubbte Gitarre. Dem Publikum hat Onkel Karl-Heinz dann immer erzählt, ich sei Musikstudent. Das war ich natürlich nicht, aber er hat es erzählt. Irgendwann sagte er mal: Und jetzt auf besonderen Wunsch der Schneewalzer!' Ich sagte: 'Mensch, Onkel Karl-Heinz, es hat sich doch niemand den Schneewalzer gewünscht!' Da drehte er sich um und sagte: 'That's Showbusiness!'

Der Erfolg der "Wochenshow" ebnete Ingolf Lück den Weg zu neuen humoristischen Ufern. Mit sichtlichem Vergnügen moderiert er seine neue eigene Sendung, die Comedy-Quizshow "Voll Witzig", und Ende dieses Jahres wird er wieder die erfolgreiche "Sat.1-Pannen-Show" präsentieren. Lück im Glück!

Seit er berühmt ist, speist er in Restaurants immer ganz hinten, mit dem Kopf zur Wand. "Ich will nicht erkannt werden, mich stört das", sagt er, und Fragen, ob nach dem kürzlichen Ende seiner langjährigen Beziehung ein neues Liebesglück in Sicht sei, manövriert er geschickt in die nächste Sackgasse. Zumindest lebt er allein in seiner 140-Quadratmeter-Altbauwohnung. "Ich finde es ohnehin spannender", sagt Lück, "wenn man sich gegenseitig besucht." Sein Problem: "Frauen wollen immer klare Männer, die wissen, wo's langgeht. Aber nach diesem klaren Menschen bin ich selbst noch auf der Suche." Trotz Promi-Status fährt der 41 Jährige noch mit der Straßenbahn durch Köln: "Im Taxi muss man mit dem Taxifahrer reden, und das will ich nicht. In der Straßenbahn glauben die Leute ja sowieso nicht, dass ich es bin. Der Lück, denken die, fährt doch sicher in einer goldenen Kutsche! Dabei fühle ich mich gar nicht als Star. Stars, das sind andere." Dennis Hopper zum Beispiel. Plaudernd steht er neben Lück - auf dem Foto auf dessen Schreibtisch jedenfalls. Hopper drehte mal in Köln, Lück kriegte mit, wie er der Sekretärin einen Golfschläger auf den Tisch legte: "Den wollte er einem Kumpel schicken, und die Sekretärin musste draufschreiben: Mr. Jack Nicholson, Los Angeles. Und dazu noch ein Brief Hallo, Jack, ich habe hier einen Golfschläger für dich. So was mitzukriegen, das ist für mich natürlich klasse! Das Tollste aber an dem Foto: Hoppers Body-guards stehen da, als wären es meine!"

Lück macht einen Satz bis zur Tür. Noch ein Foto hängt da: Lück mit Peter Ustinov. "Den habe ich da fast an der Hand!", ruft Lück verzückt. "Da denke ich dann: Das ist doch alles nicht wahr! Schon dafür hat sich das alles gelohnt."

Der kleine dicke Junge hat's eben allen gezeigt.

Silke Pfersdorf




Der Platz im Herzen ist reserviert
[Welt am Sonntag, 30.03.2003]

Mit dem Stück. "Traumfrau Mutter" gibt Ingolf Lück sein Regie-Debüt. Vorab spricht er über die richtige Windel, späte Väter und die Rollenverteilung zu Hause.

WELT am SONNTAG: Herr Lück, eine Gewissensfrage an Sie als Vater: Pampers oder wieder verwertbare Windeln?

Ingolf Lück: Wir haben Lily Chi in der ersten Zeit gewickelt und sind aber ganz schnell zu Pampers übergegangen, weil es in Köln keinen Windelwasch-Service gibt. Glücklicherweise war meine Tochter schon sehr früh sauber, das entlastet einen - auch finanziell, diese Windeln sind ja unheimlich teuer.

WamS: Mit Ihrem Debüt als Theater-Regisseur werden Sie das Loch, das die Windeln in Ihre Kasse gerissen haben, nicht stopfen…

Lück: Theater muss man wirklich machen wollen. Reich werden kann man woanders. Aber ich freue mich auf die Arbeit und bin auch sehr gern in Berlin. Seit meinem Studium habe ich hier eine Wohnung im zweiten Hinterhof, Parterre, in Kreuzberg. Freunde von mir nennen sie nur "Das Loch". Um elf kommt ein Flecken Sonnenlicht, der durch die Wohnung wandert und nach einer halben Stunde verschwunden ist. Aber das war damals egal, weil ich nur nachts lebte.

WamS: Spätestens mit einem Kind ist das vorbei. Haben Sie deshalb gewartet, bis Sie über 40 waren?

Lück: Ich bin ein später Vater; das liegt aber daran, dass ich viele Jahre in einer Beziehung mit einer Frau gelebt habe, die bereits ein Kind hatte. Aber es ist ein großer Unterschied, ob man der leibliche Vater ist oder nicht. Wenn es nicht das eigene Kind ist, kann man vielleicht sogar ein besserer Vater sein, weil man eine gewisse Coolheit hat, die oftmals ganz zuträglich ist. Die hat man als leiblicher Vater nicht, da hängt man mit jeder Faser an dem kleinen Menschen, das ist auch mit sehr vielen Ängsten verbunden.

WamS: Wie ist denn die Rollenaufteilung bei Ihnen zu Hause?

Lück: Schon zu "Wochenshow"-Zeiten war ich ein ganz traditioneller Vater. Ich bin morgens weggegangen und abends wiedergekommen. Und an den Wochenenden habe ich versucht, alles Versäumte nachzuholen. Denn natürlich macht die Frau immer die Hauptarbeit zu Hause. Aber einer muss ja auch die Kohle verdienen… (lacht), und das konnte ich besser.

WamS: Als Gesicht der "Wochenshow" wurden Sie zum Star. Aber einige Jahre zuvor wäre es keinem Zuschauer aufgefallen, wenn Sie weg gewesen wären vom Bildschirm. Wären Sie damals in den Erziehungsurlaub gegangen?

Lück: Nein. Das kann ich nicht. Ich koche bei uns zu Hause, aber ich bin nicht derjenige, der sich damit abfinden könnte, nur zu Hause zu sein. Mein liebster Platz ist auf der Bühne, wenn ich nicht dort sein kann, bin ich oft unerträglich.

WamS: In den vergangenen Jahren waren Sie aber vor allem im Fernsehen zu sehen. Unter der Regie von Esther Schweins, die ja eines der Aushängeschilder der "Wochenshow"-Konkurrenz "Samstag Nacht" war, spielen Sie in Köln den "Caveman". Wie war die Rückkehr auf die Bühne?

Lück: Ich kannte Esther nur vom Guten-Tag-Sagen. Zuerst waren wir beide skeptisch, und ich dachte: Was kann sie mir beibringen? Aber ich habe schnell gemerkt, dass sie eine Frau des Theaters ist. Und die Theatermittel, die bei mir brachlagen, weil ich sechs Jahre nicht auf der Bühne stand, hat sie wieder hervorgeholt. Die Gesten sind auf der Bühne eben etwas größer.

WamS: Mit ebensolchen Gesten erzählen ihre Schauspielerinnen in "Traumfrau Mutter" von den nicht nur schönen Seiten des Elternseins…

Lück: Deswegen gefällt mir das Stück so gut. Da ist Platz für anrührende Geschichten, ebenso wie für Komik. Sechs Mütter erzählen aus ihrer ganz persönlichen Sicht über ihr Leben: Da bekommt die eine ein Frühchen, das behindert sein wird; die andere ist allein Erziehende, die dritte Lehrerin, die über Windelsuppe und Voreinweicheimer erzählt. An einer Stelle heißt es Wenn du dein Kind zum ersten Mal siehst, weißt du: Es ist der Mensch, für den du sterben würdest", an anderer Stelle: "Du weißt, dass die postnatalen Wonnen vorbei sind, wenn du dein Kind anguckst und zum ersten Mal denkst: Arschloch."

WamS: Wann hatten Sie diesen Gedanken zuletzt?

Lück: Als das Essen zum dritten Mal auf dem Boden landete. Ich dachte "Du willst, dass ich dir eine ticke, aber das tue ich nicht." Das ist die so genannte Trotzphase, die angeblich nur ein halbes Jahr dauert. Ich habe das Gefühl, sie dauert ewig.

WamS: Klingt abschreckend.

Lück: Aber die Zuschauer, die Kinder haben, werden sich wieder erkennen in dem Stück. Leute, die niemals Kinder haben wollen, werden mit dem Stück so viel Vergnügen haben wie ein Kumpel und ich, als wir die Vagina-Monologe angesehen haben…

WamS: Die Schauspielerinnen sind alle Mütter im wirklichen Leben. Ist das gut für die Arbeit?

Lück: Das macht die Arbeit schön, aber nicht leichter. Diese Frauen haben zu Hause ihre Familie und müssen sich die Zeit rausschneiden. Es gab Krankheitsfälle bei den Kindern und - genauso schlimm - bei den Babysittern. Natürlich versuchen wir, pünktlich zu sein, aber es klappt nicht immer. "Er hat mich voll gekotzt, wir mussten erst einmal in die Wanne" und "Er hat sich vor dem Kindergarten überlegt, dass er doch ein anderes Stofftier mitnehmen will" sind akzeptierte Entschuldigungen bei uns, wenn jemand eine Stunde zu spät kommt.

WamS: Krankheiten, kotzen und zu spät kommen - was ist so toll am Mutter- und Vatersein?

Lück: Das wirklich Große und Tolle ist, dass da plötzlich ein Mensch ist, der einen Platz im Herzen einnimmt, der nur für diesen Menschen reserviert zu sein scheint. Wenn jemand kein eigenes Kind hat, wird dieser Platz auch von niemand anderem eingenommen und bis ans Lebensende brachliegen. Das ist nicht schlimm, weil man es nicht merkt.

Das Gespräch führte Dirk Krampitz



TV Spielfilm: TV-Talk
Ablachen um jeden Preis
[TV Spielfilm, Mai 2000]

Kann man über Politik überhaupt noch Witze machen? Darf heute jeder Klassenclown ins Fernsehen? Unsere Comedy Experten INGOLF LÜCK und DIETER HALLERVORDEN trafen sich zum Spitzengespräch über Fernsehhumor.

TV SPIELFILM: Ingo Appelt schreit "ficken", Dieter Hildebrandt drechselt kunstvoll Polit-Hintersinn, und Anke Engelke bringt alle zum Lachen, Kids genauso wie pensionsberechtigte 68er. TV-Humor hatte nie ein größeres Spektrum und nie zuvor so viel Platz im Programm. Dem Spaß geht's also blendend? Ingolf Lück und Dieter Hallervorden haben so ihre Zweifel… Wir erleben einen Comedy-Boom im Fernsehen, der mit der Adaption amerikanischer Vorbilder begann, vor allem Saturday Night Live: Warum eigentlich? Gab es keine deutsche Comedy-Tradition, aus der man hätte schöpfen können?

INGOLF LÜCK: Comedy wurde in Deutschland immer gemacht, nur hatte sie nicht den Stellenwert - und im Fernsehen auch gar nicht die Möglichkeit -, sich zu entwickeln. Da gab es die Urväter: Hallervorden, Krebs, Berben, Otto, Carrell, Hildebrandt. Die Generation danach, Kerkeling, Bach, Lück - wir haben Theater gemacht. Wir kamen ja gar nicht ins Fernsehen hinein, weil wir unter vierzig waren, weil die Großen ihre Sendungen hatten und weil wir auch nicht in der Lage waren, mit diesen schrecklichen öffentlich-rechtlichen Redakteuren zu reden, die zum Lachen in den Keller gingen.

DIETER HALLERVORDEN: Ich kann absolut nachvollziehen, was Lück sagt. Die Redakteure damals waren echte Sesselpuper, wollten aber bestimmen, was komisch ist.

LÜCK: Aber es gibt schon eine direkte Linie im Stammbaum. Die heutige Comedy ist keine amerikanische Kultur. Wenn wir Hallervordens Figur "Didi" nehmen, dann war das schon "physical comedy" wie man heute sagt. Von daher führt eine direkte Linie von Hallervorden zu Marco Rima, zu Profitlich oder Mirco Nontschev.

HALLERVORDEN: Dazu muss man aber auch sehen, wie sich der Umgang mit Unterhaltung bei der Kritik geändert hat. Mir wurde damals sehr verübelt, dass die Leute einfach nur lachten. Ich konnte weitermachen, weil die Einschaltquoten über 50 Prozent lagen - aber die Kritiken waren vernichtend.

TV SPIELFILM: Weil Lacher im öffentlich-rechtlichen Fernsehen beim politischen Kabarett stattzufinden hatten?

HALLERVORDEN: Ja, es musste ethischer Gehalt dahinter stecken, und es galt als verschroben, zu sagen: Die Leute haben ein Recht, einfach mal abzulachen. Ist TV-Comedy heute beim anderen Extrem angekommen? Sind nicht jegliche Ansprüche und Tabus verschwunden, wenn ein Ingo Appelt das Publikum vorrangig mit der penetranten Wiederholung des Verbs "ficken" zum Brüllen bringt?

HALLERVORDEN: Vor ein paar Jahren wäre das noch nicht möglich gewesen, und ehrlich gesagt, begrüße ich es auch nicht besonders. Da bin ich wahrscheinlich dinosaurierhaft. Was meine Arbeit betrifft, habe ich mich ja von "Didi" gelöst und mache seit acht Jahren wieder politisch-satirisches Kabarett. Aber eben nicht für meine Verwandtschaft, nicht für Leute, die der gleichen Meinung sind. Und ohne moralischen Zeigefinger und Besserwisserei, sondern mit dem Ziel, mein Publikum zu unterhalten.

LÜCK: Ist das politische Kabarett nicht tot, oder sind wir nicht zumindest am Vorabend seines Begräbnisses?

HALLERVORDEN: Wieso soll politisches Kabarett, das ich seit '92 erfolgreich praktiziere, tot sein?

LÜCK: Alles, was ihr den Politikern je vorgeworfen habt, geben die jetzt zu. Das ist plötzlich Realität! Wie Lore Lorentz mal gesagt hat: "Das, was jetzt passiert, ist nicht mehr kabarettabel."

HALLERVORDEN: Stimmt insofern, als Politik tatsächlich komischer ist, als es Kabarett je sein kann. Aber: Was im Moment passiert, gleicht einem Kriminalfilm. Und in dieser Situation die Politiker dadurch zu typisieren, wie sie sich herauswinden - das ist wieder hochinteressant.

LÜCK: Aber man muss Politiker gern mögen und als Gattung irgendwie respektieren, wenn man Kabarett macht. Das kann man nicht mehr, das ist vorbei. Und selbst wenn es politisches Kabarett noch gibt, dann hat es keine Breitenwirkung mehr, weil die jungen Leute kein Vertrauen in Politiker haben, sich deshalb nicht für sie interessieren und darum diese Sendungen auch nicht gucken.

HALLERVORDEN: Das ist effektiv falsch. Wir haben mit "Spott-Light" im Schnitt 4,5 bis 5 Millionen Zuschauer, sonst würde der Sender ja nicht in die sechste Staffel gehen. Und ich finde auch nicht, dass man die Politiker lieben muss, um politisch-satirisches Kabarett machen zu können.

LÜCK: Aber im Gegensatz zu früher erreicht das Kabarett das junge Publikum nicht mehr, weil - wie schon gesagt - junge Leute kein Vertrauen in die Politiker haben.

HALLERVORDEN: Aber gerade deswegen amüsieren sie sich darüber. Sie sehen doch Nachrichten, sie sind im Grunde informiert. Und sie haben Spaß daran, wenn diese Leute, denen sie nicht trauen, durch den Kakao gezogen werden.

TV SPIELFILM: Inwieweit verändert das zielgruppenorientierte Denken der Sender den Humor im Fernsehen?

LÜCK: Das politische Kabarett wird es weiter bei den öffentlich-rechtlichen Sendern geben, weil die – was auch richtig ist – Programm für alle machen. Das junge Publikum, das für uns interessant ist, braucht anscheinend eine andere Form der Unterhaltung. Das geht einher mit der Veränderung in der Welt. Wir leben in dieser schnellen Kultur, nicht mehr im Zeitalter der Stoffbearbeitung, sondern der Informationsbearbeitung. Informationstechnologie, Internet – das sind die Themen. Und die Reflexion dieser Technologien und des Fernsehens selbst. E-Commerce wird immer größer, also machen die jungen Leute einen Sketch darüber, wie sie zu Hause am Bildschirm versuchen, einzukaufen. Wer keinen Supermarkt mehr kennt, kann keinen Supermarkt-Sketch machen. Es gibt ein spezielles Comedy-Interesse bei jungen Leuten, das mit dieser Zeit zu tun hat. Stefan Raab oder auch Kalkofe sind die Spaß-Guerilleros, die angefangen haben, mit dem Medium zu spielen.

TV SPIELFILM: Hat der Comedy-Boom nicht dazu geführt, dass jeder halbwegs begabte Klassenclown beim Fernsehen reich werden kann?

LÜCK: Ja, wenn der Klassenclown gut ist…

HALLERVORDEN: Na ja, manchmal fällt einem schon der Spruch ein, den man von noch ein bisschen älteren Kollegen kannte: "Das hätte man früher nicht mal zur Frontbetreuung eingesetzt." Man sitzt da und wundert sich und sagt: "Herrgott noch mal - ohne Entgelt nach sieben Bier am Stammtisch ist das in Ordnung. Aber im Fernsehen?"

LÜCK: (lacht) Also, jetzt nichts gegen Rudi Carrell…

HALLERVORDEN: Ich habe keinen Namen genannt!

LÜCK: Wie gesagt, wenn der Klassenclown gut ist und ein bestimmtes Segment bedient, okay. Nur: Heute ist es wesentlich einfacher, ins Fernsehen zu kommen, als zu unserer Zeit. Also ist es auch Sache des Fernsehens, echte Nachwuchsarbeit zu leisten.

(Kuno Nensel)



Hoppla, Freunde, jetzt komm ich
[Stern TV-Magazin, 11. August 1988]

Als Tingeltangel-Künstler auf der Straße hat er angefangen. Als Moderator der "Formel Eins"-Hitparade wurde er bekannt. Die einen fanden ihn genial, die anderen unerträglich. Was einen wie Ingolf Lück nicht beirren kann. Ob als Musiker, Sprücheklopfer, Ansager oder Schauspieler, ob auf der Bühne oder im Fernsehen: Ingolf Lück versucht, intelligente Unterhaltung zu machen, und dabei probiert er manches aus. Antje Brunnabend besuchte das unruhige Multitalent in Köln. Von seiner Dachkammerwohnung hat er den Fernsehturm immer im Blick: "Wie ein Pfarrer seine Kirche!"

Mit Wucht schlägt ein Mann auf eine Wassermelone ein. Er testet Schlagstöcke, aus der Weimarer Zeit und den sechziger Jahren. Die Knüppel zersplittern, die Melone bleibt unversehrt. "Das Ende der Weimarer Republik", kommentiert der Tester, und: "Kein Wunder, dass die Terroristen aufkamen." Dann greift er zu einem modernen Exemplar, schwarz glänzend, biegsam und stark. Die Melone zerplatzt und spritzt bis zur Zimmerdecke. Der Mann ist fasziniert. Wieder und wieder drischt er auf die Melone ein, wie im Wahn, mit hochrotem Gesicht. Bis die Ehefrau ins Zimmer stürmt: "Hör auf, Mensch, das Fernsehen ist doch hier, du wirst gefilmt!..." Das Fernsehen war zwar da, doch der Test ist nie gesendet worden. "Er war ein bisschen zu hart", sagt Ingolf Lück. Geplant war er für "Lücks Zeitlupe", eine halbstündige Show des ehemaligen "Formel Eins"-Moderators, die Anfang des Jahres im Westdeutschen Fernsehen lief. Mehr als sechs Folgen wurden nicht produziert. Der Humor war nicht jedermanns Geschmack: Zweimal pro Sendung wurden "Tester für einen Tag" vorgeführt, angeblich Zuschauer, in Wirklichkeit Schauspieler und Freunde Ingolf Lücks, die gekonnt laienhaft in häuslicher Atmosphäre Trimmgeräte, Pralinen oder Schlagstöcke ausprobierten - häufig mit katastrophalem Ausgang. In seinem Testlabor im Studio prüfte Ingolf Lück außerdem Teddybären, die in ein Gemisch aus Grießbrei und Kinderspucke getaucht wurden, und Pantoffeln: ihr Schlupf- und Schweißabsorptionsverhalten oder wie gut man damit nach einem Dackel schmeißen kann. "Es gab eigentlich keinen, der gesagt hat, das war so einigermaßen in Ordnung", erinnert sich Ingolf Lück und lacht laut auf. "Alle haben gesagt: 'Das war nix!'" Was einer wie er schon fast wieder gut findet, denn das beweist: Die Sendung war ziemlich kompromisslos.

Zu Hause in seiner Kölner Wohngemeinschaft lümmelt sich Ingolf Lück auf dem Boden vorm Video und führt Kassetten mit seinen alten Produktionen vor. Er wohnt unterm Dach, in einem nachlässig eingerichteten Chaos, mit Grill auf der wunderschönen Dachterrasse und Blick auf den Fernsehturm. Um ihn herum verstreut Bücher, Manuskripte und Spielzeug. In der Ecke ein sperrmüllreifer Plattenspieler und verstaubte Hans-Albers-Platten, hingeworfene Klamotten und Kostüme, unter denen sich irgendwo Ingolfs Kater Horst versteckt. Gegen den ist Ingolf Lück so allergisch, dass er morgens mit kleinen verschwollenen Augen aufwacht, wenn sich Horst mal wieder nachts zu ihm ins Bett geschlichen hat, aber weggeben will er ihn auch nicht: "Ich hab' ihn doch gern!" sagt er, fast entrüstet ob einer solchen Überlegung, und springt auf und schiebt eine neue Kassette ein.
Einige seiner Sketche kann sich der schlaksige Alternativ-Tüvler immer wieder ansehen, der Schlagstocktest zum Beispiel begeistert ihn heute noch. Doch alles in allem war er mit der Show nicht zufrieden. Vieles würde er heute anders machen, aber: "Unterhaltung muss immer eine Nach-vorn-Unterhaltung sein, also aggressiv. " Zu aggressiv fürs Fernsehen?
"Ingolf Lück ist einer, bei dem man nicht weiß, ob man sich wünschen sollte, dass er fürs Fernsehen gezähmt wird", urteilt Jörn Klamroth, Unterhaltungsredakteur beim WDR. "Er hat so eine liebenswürdige Anarchie. Er wirbt nicht um die Zuschauer, was auch eine Qualität ist. Aber viele Leute enttäuscht er damit. Ob er für ein Massenpublikum geeignet ist, ob das überhaupt gut für ihn ist und ob er das wirklich will ... " Er lässt die Frage offen." Aber er ist ein ganz großes Talent. "

Das ganz große Talent wurde an einem Dienstag in Bielefeld geboren, vor wie viel Jahren, verrät er nicht. Weil er sonst in irgendwelche Schubladen gesteckt würde, behauptet Ingolf Lück, der sich plötzlich ziert wie Bette Davis. Sei ja schließlich egal, wie alt einer ist, da gebe es Fünfzehnjährige, die seien im Kopf schon wie vierzig. Er jedenfalls habe mit 26 aufgehört zu zählen. Würde ihm ja eh keiner glauben, dass er über dreißig ist, sagt er frech.

In einem Satellitenvorort wuchs er auf, einem Viertel mit Aussiedlern und Arbeitslosen, als einer der wenigen, die aufs Gymnasium gingen. Dort war er keine Leuchte, und als die besorgten Lehrer bei den Eltern anfragten, ob der Junge denn nicht wenigstens irgendwelche Hobbys habe, wussten die nur: Er sieht andauernd fern.

Onkel Karl-Heinz brachte ihm Gitarrespielen bei, Ingolf zog sich ein hübsches Hemd an, und gemeinsam traten sie bei Taubenzüchtervereinen, Sparkassenfesten und in Altenheimen auf: Ingolfs erstes selbstverdientes Geld. Und wenn gegen Mitternacht die Gäste angeheitert waren, spielten Onkel Karl-Heinz und Ingolf ihre Musik, und das war Swing. Mit dem Showgeschäft hatte Ingolf sonst nichts im Sinn. Vielmehr engagierte er sich in einem selbstverwalteten Jugendzentrum und wollte Sozialarbeiter werden oder so etwas ähnliches. Bis er mit zwanzig bei einer Theateraufführung an der Schule Regie führte. Von da an war ihm klar: Er wollte Theater machen.

Die Gruppe blieb nach dem Abitur zusammen, und Ingolf Lück erprobte in Bielefeld alle Möglichkeiten der alternativen Theaterkultur. Er spielte beim Frapp-Theater, er gründete die Zick-Zack-Theaterbande, einen Kinderzirkus, und er musizierte beim Kurpark-Kollektiv, einer Swing-Band, die, natürlich, in Kurparks auftrat. Schließlich landete er beim "Totalen Theater", einem Rocktheater, ähnlich der "Ersten Allgemeinen Verunsicherung": "Nur hatten die 'nen Achttonner mit Hebebühne, das war das Ding, und wir hatten nur 'nen kleinen Bulli." Man spielte auf Straßen, bei Karstadt und auf richtigen Bühnen. Mit den Jahren lernte Ingolf Lück Feuerschlucken, Einradfahren, auf Scherben laufen, Jonglieren, Zaubern und Akkordeon spielen -'"Tingeltangel", der ihm heute bei seinen Sketchen zugute kommt.

Als "Kind der alternativen Theaterbewegung" hat sich Ingolf Lück immer bezeichnet. Dazu gehört die WG, dazu gehört, dass er gern in einer Gruppe arbeitet und, wo immer möglich, seine Freunde in die Produktion einbindet. Dazu gehört auch, dass er sich nicht verändert hat, wie er glaubhaft versichert, nicht überheblich oder arrogant geworden ist, und - gibt's so was noch im Showbusiness? - sich von Geld nicht allzu sehr beeindrucken lässt. Auch dann nicht,' als er durch die "Formel Eins" jäh bekannt wurde, was niemanden mehr verblüfft hat als ihn selbst.

Es geht die Mär, dass er die "Formel Eins"-Macher schon bei den ersten Probeaufnahmen zum Lachen brachte, was noch keinem vorher gelungen war: Jedenfalls wurde Ingolf Lück sofort als Moderator der Hitparade engagiert. Wenn er sich dann zwischen den Videoclips über Popgrößen wie Billy Idol oder Thomas Anders von "Modern Talking" lustig machte, war Ingolf Lück hinreißend, unwiderstehlich. Seine flippige Art und die frechen Sprüche kamen bei den Kids an.

Nicht bei allen, natürlich. "Ingolf Lück ist einer, der die Zuschauer polarisiert", sagt Jörn Klamroth, "einer, zu dem man sich bekennen muss. " Anders als bei seinen Nachfolgern Stefanie Tücking und Kai Böcking, die man ganz nett findet, die einem so furchtbar viel aber auch nicht bedeuten, spalteten sich bei Ingolf Lück die Lager. Viele der jugendlichen Zuschauer beschwerten sich über sein "blödes Gequatsche" oder fühlten sich veralbert." Bei dir wird man ja meistens verarscht", schrieben sie ihm in krakeliger Kinderschrift, und "verarschen können wir uns alleine." Ganz schlimm fanden sie es, als der respektlose Ansager Superstar George Michael parodierte, das Idol der unter 16jährigen - eine Unverschämtheit: "Vor allen Dingen, so ein kotzhässlicher Kerl, wie du bist!"

Nach einem Jahr hatte Ingolf Lück genug. Er wollte zurück ans Theater, zurück zu einem richtigen Publikum. Im Fernsehen ist er seitdem nur sporadisch aufgetreten, etwa bei "Extratour" oder der Bundesfilmpreis-Verleihung. Zurzeit spielt er am Bonner Schauspiel in "Clockwork Orange". Außerdem tourt er mit dem Kabarettstück "Gorbatschow muss sterben" durchs Land.

Wer Ingolf Lück von seinen vielen Ulkauftritten kennt, meint leicht: Der kann nur eins, der kann nur sich selbst spielen, zapplig, flapsig und überdreht. "Das ist eben die Gefahr, wenn sich einer dauernd selbst inszeniert", sagt der Regisseur Adolf Winkelmann. Der Lück kann auch anders, der kann das Zappeln sein lassen. In Winkelmanns Spielfilm "Peng! Du bist tot!", den die ARD am 31. August ausstrahlt, landen Ingolf Lück und Rebecca Pauly nach diversen Kabbeleien eher unfreiwillig zusammen in einem öden Hotelzimmer." Wie die beiden diese Situation bewältigen", sagt Winkelmann, "diese feine Peinlichkeit - also, wer das spielen kann, hat für mich die Prüfung bestanden. "

Dabei hat Ingolf Lück im Leben keine Schauspielschule besucht. Beworben hat er sich oft, genommen wurde er nie - zu Recht, wie er heute einräumt, denn an einem kleinen Provinztheater Nebenrollen spielen, das hätte er nie gekonnt. Dafür braucht ein Ingolf Lück zuviel Beifall, dafür ist er zu eitel, oder, wie er sagt, mag sich selbst einfach ziemlich gern leiden. Unauffällig im Hintergrund wirken ist Ingolf Lücks Sache nicht.

Er nimmt sich schon wichtig: Beim Fototermin hampelt er vorm Spiegel herum, streicht sich wieder und wieder die Haare zurück, fragt zum zehnten Mal "Wie seh' ich aus?" und schimpft vor sich hin, als er mitleidig-beschwichtigende Antworten kriegt. Dass die Ahnungslosen um ihn herum auch nicht verstehen können, wie wichtig die Frisur ist, jedenfalls für eine öffentliche Person wie Ingolf Lück!

Denn seltsamerweise scheint es da einen Unterschied zwischen dem Menschen Ingolf und seinem Image zu geben. Der Mensch Ingolf Lück, so behauptet Ingolf Lück, schert sich einen Teufel um Äußerlichkeiten. Der läuft zu Hause in Trainingshosen herum, und wie die Bude aussieht, ist ihm egal. Auf der Bühne aber muss alles stimmen. Und auch wenn er ausgeht, stylt sich Ingolf Lück mit großer Sorgfalt imagepflegend. Was dann unungefähr so aussieht: Lederhose mit liebevoll aufgenähten Flicken, T-Shirt mit riesengroß ausgeschnittenen Armlöchern, abgestoßene Jeansjacke und die Haare mit Gel nach hinten geklatscht. Gehe er anders aus, in Trainingshosen und die Haare platt in die Stirn gekämmt, erkenne ihn kein Mensch, schwört Ingolf Lück. Aber so herausgeputzt, hauen ihn abends bei "Woody's" in der Kölner Innenstadt gleich ein paar Leute an, und Ingolf verteilt gutgelaunt Autogramme und freut sich, wie er sich überhaupt immer freut, wenn ihn jemand erkennt.

"Wenn ich irgendwann mal ein richtiger bekannter Showmaster wäre, hätte ich nichts dagegen", sagt er. Wobei ihm ein Rudi Carrell oder Peter Frankenfeld oder ein Kulenkampff mit seiner Theatererfahrung näher stehen als ein Frank Elstner. "Man hat ja immer so Träume", erklärt Ingolf Lück, der ewig 26jährige, halb im Ernst. Erst war das: einmal auf der Bühne stehen. Dann ein eigenes Stück machen. Dann das eigene Gesicht riesengroß auf der Leinwand sehen. Dann die eigene Wochenschau: "So geht das eben immer so weiter."
Einer der kleineren Träume ist übrigens: einmal eine Woche lang bei den Leuten auf der Anrichte liegen, als Konterfei auf dem Titel der TV-Beilage. Und damit ist Ingolf Lück schon wieder einen Schritt vorwärts gekommen.



Ingolf Lücks neues Kabarettprogramm: Zum Glück gibt's Gorbatschow
[Bielefelder StadtBlatt 16/88]

Von Andreas Bekemeier-Loddeke

Voll im "Russen-Trend" liegen Ingolf Lück und Hans-Werner Olm mit ihrem aktuellen Kabarettprogramm "Gorbatschow muss sterben", das sie am Sonntag in der Alten Weberei zeigen werden. Ingolf Lück, bekannt aus Funk, Film und TV, ließ sich dazu ausfragen.

StadtBlatt: Als was würdest Du Dich eigentlich selbst bezeichnen? Moderator, Schauspieler, Kabarettist oder, sonst was anderes?

Ingolf Lück: Das witzige an dieser Frage ist, dass sie einem immer wieder in Deutschland gestellt wird. Man braucht nur den Fuß nach Holland rüberzusetzen oder auch nach England, da gibt es mit solchen Fragen kein Problem. Man würde Hermann van Veen oder einen englischen Komiker nie danach fragen, als was sie sich bezeichnen würden. Dort ist es möglich, vieles zu machen. Ich habe viele Dinge gemacht, die immer mit Bühne , oder Auftreten zu tun haben: Kabarett, Unterhaltungsfernsehen, ernsthaftes Theater, z.B. in Düsseldorf das "Totenfloß"... Ich habe Kinderzirkus gespielt, eine Diskothek in Osnabrück eingeweiht, Rockmusik und Rocktheater gemacht und vieles mehr.

StadtBlatt: Fragen wir mal andersherum. Was machst Du denn am liebsten?

Ingolf Lück: Mir geht es nicht darum, wie Dinge gebracht werden, sondern um das Thema. Bei den Projekten, die ich mache, muss ich immer das Gefühl haben, dass es was Neues ist. Diesen Anspruch habe ich an meinen Beruf. Deshalb habe ich diesen Beruf, damit ich mich nicht immer selbst reproduzieren muss, sondern immer was anderes machen kann.

StadtBlatt: Du bist jetzt mit "Gorbatschow muss sterben", einem Kabarettprogramm auf Tour. Du trittst zusammen mit dem Berliner Hans-Werner Olm auf. Was haben wir uns darunter vorzustellen? Was erwartet die Zuschauer?

Ingolf Lück: Das Programm ist der Versuch, in eine relativ verkrustete Geschichte wie das deutsche Kabarett einzusteigen, um sie positiv zu befruchten, zu beleben. Es ist eine Mischung aus Kabarett und Theater, die die Fiktion von Gorbatschows Tod beinhaltet. Er stirbt in diesem Stück und darauf aufbauend wird gezeigt, wie damit umgegangen wird: Wie verhalten sich dazu politische Parteien kurz vor dem Wahlkampf, wie die Showbranche, z.B. Biolek lädt Rambo ein, der natürlich keinen Film "Der Kreml Killer" gedreht hat. Ich will zeigen, wie sich alle auf das Thema stürzen und wie die Verarbeitungsmechanismen ablaufen. Gorbatschow könnte auch gegen Tschernobyl ausgetauscht werden, weil ich glaube, dass die gleichen Mechanismen greifen, sich wiederholen würden.

StadtBlatt: Wie stehst Du persönlich zu Gorbatschow?

Ingolf Lück: Ich möchte jetzt keine politischen Grundaussagen machen. Die sind in dem Stück. Wenn anschließend noch diese Frage auftaucht, kann man sie mir gerne stellen.

StadtBlatt: Du identifizierst Dich also mit den Aussagen des Stückes?

Ingolf Lück: Was ist das für eine Frage?

StadtBlatt: Ich könnte mir vorstellen, dass Du etwas spielst, was zwar publikumswirksam ist, aber nicht unbedingt Deiner Meinung entspricht.

Ingolf Lück: Ich habe an dem Stück mitgeschrieben. Das ist direkt für mich konzipiert worden. Ich habe gesagt, dass ich dieses und jenes haben möchte und die Autoren Diether Dehm und Erich Virch waren Gott sei Dank so gut, dass sie das umsetzen konnten. Ich habe bisher bei meinen Theaterprojekten immer das Glück gehabt, das zu machen, was ich wollte. Anfangs mit weniger Geld, dann mit viel Geld. Ich will ein möglichst großes Publikum erreichen, was auch funktioniert. Nicht nur die Jüngsten oder nur die älteren Intellektuellen, die eh schon wissen, was läuft, sondern alle. Die will ich zusammen überraschen.

StadtBlatt: Warum bist Du bei "Formel Eins" ausgestiegen?

Ingolf Lück: Es ist ja mittlerweile schon zwei Jahre her. Ich habe vierzig Sendungen gemacht, die sehr gut waren. Ich dachte damals, wenn du nochmals vierzig Produktionen machst, dann merken die Leute, dass du auch nur mit Wasser kochst.

StadtBlatt: Siehst Du Dir die "Formel Eins" noch an?

Ingolf Lück: Nein. Ich bin zwar nächste Woche wieder dabei, weil am 7.April einen ganzen Abend lang die 200.Sendung ausgestrahlt wird. "Formel Eins" hat für mich in letzter Zeit ihr Gesicht verloren, weil auch das Konzept geändert wurde.

StadtBlatt: Es kursiert das Gerücht, dass Du eine neue Fernsehshow machen würdest.

Ingolf Lück: Ich habe schon sechs Folgen von "Lücks Zeitlupe" für den WDR gemacht, die allerdings nur im dritten Programm gelaufen sind. Ich überlege momentan, wie ich weiter machen will und mit welchen Ideen. Es war eine Satire- und Comedyshow, die jede Woche den Zeitgeist unter die Lupe nahm.

StadtBlatt: Leider konnten Dich da wohl nur sehr wenige Zuschauer sehen?

Ingolf Lück: Um einen guten Platz im Ersten Programm zu bekommen, musst du ein bestimmtes Alter haben, damit sie dich aufs Erste loslassen.

StadtBlatt: Stehst Du denn in Verhandlungen fürs Erste?

Ingolf Lück: Mit dieser Sache nicht. Ich muss da ja nicht rein. Aber wenn ich es schaffen würde, könnte ich natürlich mehr Leute erreichen .

StadtBlatt: Viel Erfolg und vielen Dank für das Gespräch.

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